School of Schenk

Am Ende des Schuljahres kann man den DVD-Player heißlaufen lassen oder man befördert seine Schüler*innen raus aus der Komfortzone in ein herausforderndes Projekt.

Dieses Jahr habe ich einen Deutschkurs und einen Englischkurs herausgefordert, ihre eigenen Songs in der jeweiligen Sprache zu schreiben und zu produzieren. Nach einer 90-minütigen Einführung in mögliche Zugänge zum Songwriting (Padlet) durch mich sollten die Schüler*innen selbstständig im Zeitraum von 5 Doppelstunden von der Idee zum fertige Song kommen. Erlaubt war dabei fast alles – von der Kollaboration untereinander bis zum Engagieren einer Freundin, die beim Singen die Töne besser trifft als man selbst. Auch die Wahl der Werkzeuge war frei, wobei es hier große Unterschiede bei der Ausstattung der beiden Kurse gab.

Der Deutsch-Kurs

  • Der Deutschkurs war 1:1 mit iPads ausgestattet. Zusätzlich hatten alle Zugang zum Bandraum der Schule, in dem sich Gitarren, Schlagzeug, Piano usw. befinden. Die meisten arbeiteten tatsächlich mit der App Garageband, die sich als intuitiv bedienbar erwies. Meine Rolle während des Arbeitsprozesses war vielfältig: Feedback und Anregungen zu den Lyrics geben, Akkordfolgen und Songstrukturen erklären, motivieren, kritisieren und im Notfall auch mal ein Demo für dei Schüchternen einsingen, um musikalische Ideen zu konkretisieren. Insgesamt haben die Schüler*innen allerdings äußerst selbstständig gearbeitet.
  • Die Ergebnisse sind qualitativ unterschiedlich ausgefallen und doch hat jeder am Ende wenigstens ein echtes eigenes Lied geschrieben und aufgenommen. Ein paar Ergebnisse darf ich hier vorstellen.

    1. Jetzt aber wirklich

    Anne Müllers Lied thematisiert das Lebensgefühl, zwischen zwei Lebensabschnitten zu stehen, auf die Vergangenheit zurückzuschauen und gleichzeitig in die Zukunft zu blicken. Anne hat sich stimmsichere Freunde zur Aufnahme hinzu geholt, um ihr Songwriting optimal in Szene zu setzen.

    2. Uns gehört die Welt

    Das Lied hat ein ähnliches Thema und überzeugte mich mit seinen spielerischen Lyrics und dem Mut, alles selbst einzusingen, auch wenn die beiden Schülerinnen keine gelernten Sängerinnen sind.

    3. Anfang vom Ende

    Dieser Song von Alexandra Beier und Tim Kordts ist eine soulig bluesige Umweltschutzhymne mit nachdenklichen Lyrics. Alexandra und Tim haben sich gesangliche Unterstützung von einer Schülerin der Parallelklasse gesichert.

    4. Eiswürfel und dazu [feat. alicia]

    Das Kontrastprogramm zum vorigen Lied bietet David Maier, der sich mit einer stimmstarken ehemaligen Schülerin zusammengetan hat, um seinen fluffig sommerlichen Gute-Laune-Song zu produzieren.

    Der Englisch-Kurs

    Hier waren die Schüler*innen deutlich eingeschränkter in der Wahl der Werkzeuge. Zwar konnten sie sich auch jederzeit im Band-/Musikraum austoben, jedoch war der Kurs insgesamt deutlich analoger unterwegs. Das Lehrer-iPad und die eigenen Smartphones mussten hier herhalten.

    Die Ergebnisse waren wohl auch deshalb im Schnitt etwas schwächer. Ich musste hier viel stärker technischen und musikalischen Support liefern. Aber auch hier darf ich zwei gelungene Ergebnisse veröffentlichen.

    5. Life Is Like A Song

    Auch hier geht es um das Gefühl der Unsicherheit zwischen Jugend und Erwachsensein. Die Schülerin singt die zweite Stimme und überläßt die Hauptstimme einer Freundin aus der Parallelklasse. Einzige Unterstützung bieten eine akustische Gitarre und ein paar Vögel, die bei der Aufnahme auf dem Schulhof inspiriert mitzwitscherten.

    6. Dance

    Die Schülerin singt über ihre Leidenschaft, das Tanzen. Aus der a-capella ins Handy gesungenen Rohversion haben wir mithilfe eines Klaviers und dem Lehrer-iPad Stück für Stück das fertige Lied gezimmert.

    Fazit

    Die Schülerinnen beider Klassen gaben mir äußerst positives Feedback für das kleine Lernprojekt. Ihnen gefiel die Möglichkeit, in der Schule mit Sprache einmal etwas anderes herstellen zu können als Texte. Alle fanden die Herausforderung, ein eigenes Lied schreiben und produzieren zu müssen, anspruchsvoll, schätzten aber das intensive Lernen über Liedtexte, Strukturen, Musik und digitale Werkzeuge. Die analoge Klasse sah sich natürlich ohne die iPads klar im Nachteil.